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Interviews, Videos & GastartikelVeröffentlicht am 13. September 2024

People & Connect

Gespräch mit Yago Lizarribar

Wie lange arbeitest du schon am Cyber-Defence Campus (CYD Campus) und was hat dich dazu bewogen, bei uns tätig zu werden?

Ich arbeite seit anfangs Jahr am CYD Campus, aber es ist nicht das erste Mal, dass ich am CYD Campus bin. Als ich damals in Spanien mit meiner Promotion begann, durfte ich bereits im CYD Campus sein und mit der Data Science Gruppe von armasuisse zusammenarbeiten. Ich bin hier, weil ich das Umfeld, die Leute und die Themen, an denen wir arbeiten, sehr schätze.

Was hat dich dazu bewogen, für diesen Job in die Schweiz zu ziehen?

Ich kannte die Leute, mit denen ich jetzt arbeite, bereits und das ist ein grosser Vorteil, wenn man in ein anderes Land zieht. Man kennt die Leute, mit denen man arbeiten wird, und man mag sie. Es gibt auch persönlichere Gründe wie: Ich mag die Schweiz, ich mag das Leben hier und die Lebensqualität. Im Moment bin ich befristet angestellt, also habe ich mir selbst gesagt, lass den Schritt wagen. Es ist keine langjährige Verpflichtung da meine Stelle für ein Jahr befristet ist. Es war also völlig in Ordnung für mich, in die Schweiz zu ziehen.

Worum ging es in deiner Doktorarbeit?

Im Grossen und Ganzen geht es um Telekommunikationstechnik, und im Besonderen habe ich mich mit Spektrumüberwachung und Spektrumüberwachungsanalysen beschäftigt. Es gab ein Projekt namens Electrosense, bei dem wir Daten von Sensoren aus unterschiedlichen Gebieten auf der Welt einsetzten und versuchten, die Modulationen, die Nutzung des Spektrums oder die Position der Senderinnen und Sender sowie Empfängerinnen und Empfänger von Signalen zu analysieren, was auch ein wichtiger Teil meiner Doktorarbeit war.

In welchem Bereich arbeitest du beim CYD Campus?

Ich arbeite in der früher als «Data Science» bekannten Gruppe, die jetzt neu «Cyber Data Technologien» heisst. In der Gruppe arbeite ich an verschiedenen Projekten. Mein Hauptprojekt ist jedoch das Fit on duty-Projekt, bei dem es um die Vorhersage von Hitze- oder Sportkrankheiten bei Soldatinnen und Soldaten oder militärischem Personal geht. Ausserdem arbeite ich an einem kleineren Projekt, das sich mit der Überwachung des Spektrums im elektromagnetischen Bereich beschäftigt.

Welches Forschungsprojekt, an dem du arbeitest, bietet aus deiner Sicht interessante Möglichkeiten für die Zukunft?

Das Fit on Duty-Projekt ist meiner Meinung nach sehr interessant für das Militär, vor allem für die jungen Soldatinnen und Soldaten, denn im Moment gibt es kein wirkliches Wissen darüber, wann eine Soldatin oder ein Soldat zusammenbricht oder unter welchen Bedingungen Stress die körperliche Leistungsfähigkeit der Soldatinnen und Soldaten beeinträchtigen kann. Diese Art von Technologien zur Überwachung von Sportlerinnen und Sportlern im Allgemeinen ist im Moment sehr im Kommen. Eine Lösung, die vorhersagen kann, ob eine Soldatin oder ein Soldat körperlich fit ist, und die z. B. die Zugführerin oder den Zugführer darüber informiert, dass die Soldatin oder der Soldat zu kollabieren droht, wäre von enormer Bedeutung und könnte für viele andere Anwendungen sehr nützlich sein. Ich glaube, dass die Technologie ein grosses Potenzial hat.

Welche relevanten Trends siehst du in der nächsten Zeit im Cybersektor?

In der Datenwissenschaft gibt es eigentlich viele. Der Grund dafür ist die Popularität von Large Language Modells (LLMs), die ein riesiges Feld eröffnet, vor allem im Hinblick auf Sicherheit, Datenschutz oder Fake-News-Produktionen. Wir haben gesehen, dass, wenn man endlos grosse Sprachsysteme in vielen Produktionssystemen einsetzt, Sicherheitsmassnahmen umgangen werden können und wirklich jedem Unternehmen oder Produkt, das sich darauf verlässt, Schaden zufügen. Und ich denke, dass es nur noch schlimmer werden wird, wenn man bedenkt, wie stark man sich dagegen schützen muss. Jede Woche haben wir noch grössere Sprachmodelle. Jetzt haben wir Gemini 1.5 mit einer Million Token-Kontextfenster. Das heisst, wir können in wenigen Minuten Videos von einer Stunde oder Audios von einem ganzen Tag produzieren. Diese Systeme können so viel mehr Daten und viel mehr Probleme so viel schneller produzieren. Jemand kann ohne viel Insiderwissen zum Thema Videoproduktion Videos ganz einfach fälschen. Dies stellt Datenwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler vor ein grosses Problem und eine grosse Aufgabe: Wie kann man die Systeme wirklich absichern, wie kann man Architekturen entwerfen, die diese Risiken berücksichtigen, damit die Produkte für alle sicherer werden. Es gibt immer mehr Systeme, die sich auf maschinelles Lernen stützen, und es ist auch sehr wichtig, dass wir verstehen, warum die maschinellen Lernprodukte oder Modelle diese Entscheidungen treffen.

Inwiefern unterscheidet sich die Forschung am Cyber-Defence Campus von anderen Forschungseinrichtungen, an denen du bisher gearbeitet hast?

Im Vergleich zur Forschung an Hochschulen zum Beispiel, denke ich, dass es mehr mit praktischen Themen der Industrie oder mit realen Problemstellungen von Anwenderinnen und Anwendern zu tun hat. Oft arbeitet man in der Akademie am Ende an Lösungen, die nicht anwendbar sind. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das vielleicht ideal. Aus gesellschaftlicher Sicht möchte man möglichst viel bewirken. Die akademische Sicht gefällt mir nicht so gut. Ich habe früher auch ein wenig in den USA gearbeitet, und dort war die Forschung eher produkt- oder industrieorientiert, und ich denke, die Arbeit am CYD Campus entspricht dem etwas mehr. Das gefällt mir, weil man nicht nur forscht, sondern auch konkretere oder wirkungsvollere Ergebnisse erzielt, wie z. B. Fit on Duty, was sich direkt auf die Gesundheit vieler Soldatinnen und Soldaten und dadurch auf die Gesundheit vieler Menschen auswirken kann.

Warum würdest du anderen empfehlen, am CYD Campus zu arbeiten?

Das Umfeld ist angenehm, auch wenn es in Thun ist - was für mich von meinem Wohnort in Muri ein bisschen weit ist - trotzdem komme ich gerne hierher. Ich bin ein Denker, ein Ingenieur, ich muss tüfteln, ich brauche Material und eine coole Hardware, mit der ich arbeiten kann. Und normalerweise gibt es hier am CYD Campus eine Menge Möglichkeiten. Für alles, was mir einfällt, gibt es ein passendes Gerät, das ich für diesen Zweck verwenden kann. Ich denke, das ist grossartig für einen Denker wie mich. Es ist extrem wertvoll, weil ich Ideen und Dinge, die ich machen will, sehr schnell und ohne viel bürokratischen Aufwand testen kann, was in anderen Unternehmen nicht immer der Fall ist. Man kann ganz einfach verschiedene Labore nutzen.

Wo siehst du dich in fünf bis zehn Jahren?

Das ist eine schwierige Frage. Ich bin mir nicht sicher, weil es etwas Persönliches ist und wie ich mich mit meiner Freundin oder meiner Partnerin einige. Ich hätte nichts dagegen, mittelfristig am CYD Campus oder in der Schweiz zu sein, aber bis in zehn Jahren ist es ziemlich schwer, darüber nachzudenken. Das liegt so weit in der Zukunft. Bis jetzt bin ich mit der Richtung, in die ich gehe, zufrieden. Ich mag die Datenwissenschaft, weil sie es einem erlaubt, viele Teilbereiche auf einmal zu erforschen. Im Moment beschäftige ich mich mit dem Gesundheitswesen, aber auch mit der Telekommunikation. Das ist in anderen Forschungsbereichen normalerweise nicht der Fall. Ich sehe mich auch in Zukunft im Bereich Datenwissenschaft arbeiten. Und es gibt viele spannende Arbeitsmöglichkeiten in diesem Bereich.